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Gefühlssturm beruhigen: Wie du starke Emotionen sanft navigierst

Starke Gefühle können uns in Sekunden überrollen: Angst, Wut, Hilflosigkeit, Scham oder Überforderung – manchmal alles auf einmal. Ein solcher Gefühlssturm fühlt sich an, als würde der Boden weggezogen. Der Körper reagiert sofort: Herzklopfen, Enge, Hitze, inneres Zittern oder ein Drang zu fliehen.

Doch ein Gefühlssturm ist kein Fehler, sondern ein Signal. Er zeigt, dass etwas in dir gesehen werden möchte: ein Bedürfnis, eine Grenze, eine Überforderung oder ein alter Schutzmechanismus, der wieder aktiv wird.

Der Weg heraus beginnt nicht über Kontrolle – sondern über Kontakt zu dir selbst.

Warum Gefühlsstürme so überwältigend sind

Ein Gefühlssturm entsteht, wenn mehrere innere Ebenen gleichzeitig aktiviert sind:

  • eine alte Verletzung wird berührt

  • ein aktueller Auslöser kommt hinzu

  • dein Nervensystem geht in Alarm

  • der Körper sendet starke Signale

  • automatische Schutzstrategien greifen (Wut, Rückzug, Erstarren, Druck)

 

Das Zusammenspiel dieser Ebenen führt zu dem Gefühl: „Es ist zu viel.“ Viele Menschen beschreiben emotionale Überflutung als:

  • „Ich verliere die Kontrolle.“

  • „Mein Körper macht dicht.“

  • „Alles wird eng und laut.“

  • „Ich weiß nicht, was zuerst passiert.“

 

Diese Reaktionen sind normal – und sie lassen sich sanft regulieren lernen.

Wie frühe Erfahrungen unsere Reaktionen auf starke Gefühle prägen

Noch bevor wir sprechen können, lernen wir in Beziehungen, wie wir mit innerer Erregung, Angst oder Scham umgehen. Wenn Bezugspersonen überfordert oder abweisend reagieren, entwickeln Kinder Schutzstrategien wie:

  • Gefühle verstecken

  • Bedürfnisse unterdrücken

  • sich anpassen

  • innerlich zumachen

  • „Funktionieren“ statt Fühlen

 

Diese Muster tauchen später als Gefühlsstürme auf, wenn unser System nicht mehr weiß, wohin mit der Intensität. 

 

Das bedeutet aber nicht, dass wir ihnen ausgeliefert sind. Mit der Zeit kannst du lernen, innere Anspannung zu lösen, deine Körpersignale zu verstehen und dich selbst zu halten. Elemente aus dem NARM™‑Modell unterstützen diesen Prozess – ohne den Fokus auf eine Methode zu legen.

Ein Beispiel aus dem Coaching: Wenn eine kleine Situation „zu viel“ wird

Eine Klientin erzählte, dass sie bei kritischen Blicken sofort innerlich zusammenbrach. Der Auslöser war klein, die Reaktion riesig: Hitze, Herzrasen, Scham, Fluchtimpuls. 

 

Im Gespräch zeigte sich: Es war nicht der Blick selbst. Es war das alte Gefühl, keinen Platz zu haben und bewertet zu werden. Als sie lernte, die Welle wahrzunehmen, statt dagegen anzukämpfen, passierte etwas Entscheidendes: Sie blieb handlungsfähig – mit Gefühl, nicht dagegen.

Übung: „Der innere Hafen“ – eine 2‑Minuten‑Übung bei Gefühlsstürmen

Diese Übung hilft dir in dem Moment, in dem du merkst: „Es wird zu viel.“ Sie funktioniert auch bei emotionaler Überforderung, starken Körperreaktionen und intensiven Wellen.

1. Stopp – einen Moment aus dem Strudel aussteigen (10 Sekunden)

Sag innerlich: „Ich halte kurz an.“ Dieser Satz wirkt wie ein kleiner Anker. Er stoppt das automatische „Mitgerissenwerden“.

2. Orientierung – drei feste Punkte im Außen (20 Sekunden)

Suche drei Dinge, die stabil sind:

  • Tischkante

  • Fensterrand

  • Bildrahmen

Halte deinen Blick kurz auf jedem Punkt. Das beruhigt dein Nervensystem und holt dich aus der Überflutung ins Jetzt.

3. Kontakt – Hand auf den unteren Rücken (30 Sekunden)

Diese Berührung vermittelt deinem Körper Halt und Erdung. Spüre: Wärme, Druck, Kontakt.

Atme aus. Das Einatmen kommt automatisch – und genau das reduziert innere Anspannung.

4. Benennen – ohne Bewertung (20 Sekunden)

Sag leise in dir:

  • „Da ist Wut.“

  • „Da ist Angst.“

  • „Da ist Überforderung.“

  • „Da ist Anspannung.“

Benennen bringt Struktur in ein chaotisches Gefühl. Das macht die Welle nicht kleiner, aber tragbarer.

Warum die Übung funktioniert:

Sie nutzt zentrale Prinzipien der Selbstregulation:

  • Außenorientierung stoppt Überflutung

  • Berührung beruhigt das Nervensystem

  • Benennen schafft Klarheit

  • Anlehnen vermittelt Geborgenheit

  • sanfte Atmung reduziert Druck

Sie ist eine Einladung, wieder in Kontakt zu kommen – ohne dich zu überfordern.

Warum Gefühlsstürme wichtige Botschafter sind

Ein Gefühlssturm zeigt, wo du innerlich noch Halt brauchst:

  • bei Grenzen

  • bei Überforderung

  • bei alten Verletzungen

  • bei Selbstwertthemen

  • bei der Sehnsucht nach Verbindung

  • bei innerer Erschöpfung

Wenn du lernst, diese Wellen zu surfen statt zu bekämpfen, entsteht etwas Neues: Ruhe, Stabilität, Klarheit – und ein Gefühl von innerer Kraft

Fazit: Gefühlsstürme gehören zum Menschsein.

Sie sind kein Zeichen von Schwäche, sondern von Sensibilität und Tiefe. Entscheidend ist nicht, sie zu verhindern, sondern den Umgang damit zu lernen. Wenn du dir in solchen Momenten Halt geben kannst, entsteht eine neue Form von Verbindung:

  • sanft

  • klar

  • stabil

  • lebendig

Genau dort beginnt Veränderung.

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